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Um es schonmal vorwegzunehmen: Ich bin mit meinem Segeljahr sehr zufrieden!
Was hatte ich mir für das Jahr 2024 vorgenommen:
- Fester Liegeplatz in Workum (Niederlande)
- Auch mal vom Boot arbeiten und so mehr Zeit auf dem Wasser erleben.
- Teilnahme am Flottillentörn
- Sommerurlaub auf dem Boot im neuen Heimatrevier verbringen.
- Installation einiger technischer Verbesserungen.
Der feste Liegeplatz
Dieses Konzept hat sich auf jeden Fall bewährt. Daher habe ich auch für 2025 schon den Platz reserviert.
Tatsächlich hat mir ein Freund, als ich die Varianta gekauft hatte, schon prophezeit, dass mir das Ein- und Auswassern bald zu lästig werden würde und ich mir bestimmt einen festen Liegeplatz suchen werde. Da hatte er wohl Recht.
Ich habe mir einen kleinen und familiären Hafen ausgesucht. Von den anderen Bootsbesitzern bin ich sehr nett aufgenommen worden. Da hier natürlich auch niederländische Bootseigner (zum größten Teil Segler) liegen, hat mich dies auch motiviert, etwas tiefer in die niederländische Sprache einzusteigen. Ich habe also zum ersten Mal in meiner beruflichen Laufbahn Bildungsurlaub genommen und über eine Woche hinweg jeden Tag einen Sprachkurs besucht. Das hat Spaß gemacht und das nächste Level wird bald angegangen. Ich hoffe dann auch im Frühjahr meine neuen Kenntnisse anwenden zu können.
Im Hafen hilft man sich und so brauchte ich gar nicht lange zu suchen, um ein paar Hände für das Stellen des Mastes zu finden. Und auch sonst ist es nett, abends mal auf einen Plausch im Cockpit zu sitzen oder spontan zum Frühstück eingeladen zu werden.
Von der technischen Infrastruktur (zum Hafen gehört eine kleine Werft) habe ich ebenfalls bereits profitiert. Kurz vor dem geplanten Flottillentörn versagte mein Außenborder seinen Dienst. Pünktlich zum Start war er wieder flott und läuft besser als je zuvor.
Eine entspannende und befriedigende Arbeit war es, für die Box passende
Festmacher anzufertigen (auf dem Foto sieht man sie noch nicht).
Diese sind uferseitig direkt an die Ringe gespleißt.
Über den Pfählen liegt jeweils eine Achterleine sowie eine Spring, welche zu
den Knarrpollern geführt wird. Springs und Vorleinen sind mit Ruckdämpfern
versehen.
Beim Anlegen brauche ich nun nichts mehr große vorzubereiten. Im Grunde fahre
ich einfach in die Box, lege beim Passieren der Pfähle die Springs über und
lasse den Motor eingekuppelt laufen. Dann gehe ich zum Bug und belege
in Ruhe die Vorleinen.
Boat-Office und Segelzeit
Vom Boot aus zu arbeiten habe ich bisher nur für einen Tag ausprobiert, aber es hat sehr gut funktioniert. Wenn man das untere Steckschott zwischen den beiden Schränken festklemmt, erhält man einen kleinen Tisch, der sich – für mich – recht gut zum Arbeiten am Laptop eignet. Das ist auf jeden Fall eine Möglichkeit, die ich in diesem Jahr intensiver nutzen möchte.
Trotzdem habe ich mehr Zeit auf dem Boot verbringen können, als ich es gedacht hatte. Die Feiertage lagen sehr arbeitnehmerfreundlich, so dass ich viele Brückentage nutzen konnte. Und da es keinen großen Familienurlaub gab, fielen auch hierdurch einige zusätzliche Tage für mich ab.
- 20.04. - 21.04. Einkranen (2 Tage)
Es war noch sehr frisch. Der Heizlüfter hat gute Dienste geleistet. - 27.04. - 30.04. Aufriggen und letzte Arbeiten (3 Tage)
Die neuen Wanten und das neue Vorstag wurden angeschlagen. Außerdem habe ich die Fixierung der Badeleiter (s.u.) abgeschlossen und das Buglicht montiert. Außer einiger anderer Kleinigkeiten konnte ich jedoch nicht viel erledigen, da mich eine starke Erkältung erwischt hatte. So musste ich den Aufenthalt abbrechen, um mich zu Hause ins Bett zu legen. - 10.05. - 12.04. Erste Ausfahrt (3 Tage)
Es hat eine Weile gedauert, bis ich Zutrauen zu mir gefunden hatte. Gegen Ende machte dann der Motor Probleme, so dass ich ihn zur Wartung geben musste. Aber ich habe es wirklich genossen, alleine auf dem Boot unterwegs zu sein. - 18.05. - 31.05. Flotillentörn und Verlängerung (13 Tage)
Siehe hierzu meinen entsprechenden Bericht. - 31.07. - 03.08. Vater-Tochter Törn (4 Tage)
Nach einem Boat-Office Tag legten wir am späten Nachmittag ab und fuhren an einen der schönen Marrekrite-Plätze. Für den Geschmack meiner Tochter gab es auch in den nächsten Tagen zu wenig Wind. Trotzdem haben wir die gemeinsame Zeit genossen – mal im Hafen und mal in der Natur. - 04.08. - 07.08. Vater-Sohn-Mutter Törn (4 Tage)
Was doch alles in so ein kleines Boot passt: Wir reisten mit SUB, Zelt, Sonnensegel, Gasgrill und drei Personen. Tatsächlich hatten wir sogar Segelwind. Wir setzten den bewährten Rhythmus Hafen-Naturanleger fort. Das Wetter war sehr sommerlich und so verbrachten wir eine tolle Zeit. - 31.08. - 05.09. Ausspannen (6 Tage)
Es war eine sehr schöne Solo-Woche mit allem zwischen Flaute und Gewitter und Sturm. Für den Sprung über das IJsselmeer hat es nicht gepasst (ich wollte nicht den ganzen Weg motoren), so dass ich neue Ziele in Friesland erkundet habe. Es ist ein fantastische Gefühl, ganz autark unterwegs zu sein. Auch habe ich einiges ausprobiert und noch mehr Vertrauen gewonnen. - 03.10. - 04.10. Auskranen (2 Tage)
Alles hat problemlos funktioniert und die Charlie ist sicher in ihrem Winterlager abgestellt.
Insgesamt habe ich also 34 Tage auf dem Boot verbracht, wobei vier für Ein- und Auswassern abzuziehen sind und ich an einem Tag noch arbeiten musste.
Technische Verbesserungen
Die Installation der Badeleiter war tatsächlich gar nicht so schwierig, wie
ich es zunächst befürchtet hatte. Die größte Herausforderung bestand darin, eine
Bezugslinie zu finden, an der ich sie ausrichten konnte. Ich habe mich für die
Ruderaufhängung entschieden.
Die Befestigungspunkte sind innen am Spiegel mit Aluminium-Platten verstärkt.
Um hier gut hineingreifen zu können, habe ich in die Innenschale eine Wartungsöffnung
eingesetzt.
Besonders hilfreich war der Tipp aus dem Varianta-Forum, die Leiter mit dem
Heckkorb zu verbinden. So ist sie jetzt wirklich sehr stabil befestigt.
Der Austausch des stehenden Gutes ist eine triviale Angelegenheit. Ich hatte an den Wantenspannern die jeweiligen Positionen an den Gewinden markiert. Die Drähte habe ich dann bei unserem lokalen Bootsbedarf-Shop abgegeben und innerhalb einer Woche den fertiggestellten Auftrag zurückerhalten. Auch preislich war das absolut im Rahmen: Für neue Wanten und ein neues Vorstag fielen ca. 500€ an. Ich weiß, dass man dies auch noch günstiger bekommen kann. Aber ich wollte vermeiden, dass ich selbst vermessen muss und dabei u.U. Fehler entstehen.
Die Dirk habe ich mit einer Curryklemme seitlich am Baum angebracht. Dies hat sich insofern als ungünstig erwiesen, als dass hierdurch der Baum immer verdreht wird, wenn er in der Dirk hängt. Dies kann den Lümmelbeschlag verformen. Ich denke, dass ich diese Konstruktion ändern muss.
Der Einbau eines vernünftigen Landanschlusses hat sich sehr bewährt. Hier ist
ein Modell von Philippi zum Einsatz gekommen. Dieses ist sehr platzsparend und
bietet zusätzlich eine wasserdichte Verbindung.
Außerdem wurde innenseitig ein vorkonfektionierter Sicherungskasten installiert.
Wichtig ist, dass hier alle Automaten zweipolig ausgelegt sind, da man nie sicher
sein kann, ob der landseitige Anschluss korrekt verkabelt ist. Im schlimmsten Fall
liegt dann auf dem vermeintlichen “Neutralleiter” die Phase an, ohne dass sie
abgesichert wäre.
Zusätzlich ist auch noch ein entsprechendes Kontroll-Panel
installiert, das optisch darstellt, ob der Landanschluss korrekt verbunden ist.
Im Rahmen der Erneuerung der bestehenden elektrischen Verkabelung habe ich auch zwei Schaltpanele eingebaut. Glücklicherweise passten zwei von diesen exakt in die bereits vorhandene Öffnung der alten (originalen) Schalttafel.
Das Thema Navigation ist noch nicht abgeschlossen. Grundsätzlich funktioniert der Ansatz, auf einem Raspberry-Pi AVNav zu verwenden. Aber für die Binnenbereiche der Niederlande gibt es hier keine zufriedenstellenden Karten (nach den Bedürfnissen der Sportschiffahrt). Aktuell experimentiere ich mit einem Gehäuse, in dem ein Display und ein RPi untergebracht ist. Diese Kombination könnte als Plotter fungieren.
Fazit und Ausblick
Das Boot funktioniert wirklich sehr gut! Sowohl was die seglerischen Möglichkeiten
angeht, als auch mit dem Wohn-“Komfort” bin ich sehr zufrieden. Alle für die
mittelfristigen Pläne notwendigen Reparaturen/Verbesserungen sind erledigt.
Jetzt kann ich mich auf das Segeln konzentrieren und zwischendurch noch einige
Kleinigkeiten basteln.
Die größte Arbeit für die kommende Saison wird die Umstellung des Antifoulings
sein. Hier werde ich auf ein biozidfreies Produkt wechseln. Da das Boot den
größten Teil der Zeit im Süßwasser liegt, sollte das gut funktionieren. Und warum
sollte man Giftstoffe ins Wasser einbringen, wenn hierzu keine wirkliche
Notwendigkeit besteht. Ich werde hier über meine Erfahrungen berichten.
Seglerisch ist für das Jahr 2025 geplant, dass wir wieder am Flotillentörn der
Varianta KV teilnehmen. Diesmal starten wir südlich von Amsterdam und fahren zum
Sail-In der “Sail Amsterdam”. Die größte Herausforderung wird für mich sein, das
Boot zum Ausgangshafen zu bringen und später wieder zurück nach Workum. Natürlich
möchte ich das auf dem Wasserweg machen, bin also vom Wetter abhängig.
Ansonsten wünsche ich mir, mehr Zeit auf dem IJsselmeer verbringen zu können und hier meine
Fähigkeiten und das Vertrauen in diese zu erweitern.