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In diesem Jahr wollte ich mich an ein paar neue Dinge wagen: an einer Boje und vor Anker übernachten, das IJsselmeer queren (eventuell alleine).

Ab ins Wasser

Es ging am ersten Mai los: Das Boot kam ins Wasser und alles lief glatt. Der Motor, den ich diesmal ordentlich eingewintert hatte (im letzten Jahr war ich da nachlässig und prompt war der Vergaser verstopft), lief direkt perfekt und auch das Stellen des Mastes mit Hilfe des Jüt-Baumes lief problemlos. Normalerweise stehen sonst direkt ungefragt mehrere Helfer parat, aber diesmal war ich alleine im Hafen. Nachdem ich alles doppelt und dreifach geprüft hatte, habe ich schließlich den Mast gesetzt: Es ging erstaunlich einfach. Damit wäre diese Unbekannte nun auch eliminiert.

Eine neue Anschaffung in diesem Jahr war eine Solartasche. Ich hatte zunächst überlegt, auf dem Schiebeluk ein Solarmodul zu installieren. Dies hat aber den Nachteil, dass es nie gut ausgerichtet zur Sonne steht. Die Variante mit der mobilen Solartasche hat sich in der Saison durchaus bewährt. Aber man muss sie wirklich sehr vorsichtig behandeln, obwohl sie recht stabil erscheint.

Im Regattafieber

Natürlich nicht auf meinem Boot habe ich in diesem Jahr als Vorschoter an meiner ersten Regatta teilgenommen. Wir mussten den Wind mit viel Fingerspitzengefühl suchen und auf plötzliche Winddreher reagieren. Es hat viel Spaß gemacht! Ich fand es erstaunlich, was für einen großen Unterschied an Geschwindigkeit Erfahrung ausmachen kann.

Zwei Variantas unterwegs

Nicht ganz drei Wochen später bin ich dann erneut zum Boot gefahren. In der Varianta Klassenvereinigung haben wir auch einen Fahrtensegler-Chat. Einige der Boote liegen rund um das IJsselmeer oder sind dort zumindest regelmäßig anzutreffen. So hatte es sich ergeben, dass die Charlie ein Wochenende mit der Blauen Ente verbringen konnte. Allgemein hatten wir sehr wenig Wind. Im Vergleich der Boote zeigte sich sehr schnell, dass ich mit den alten Segeln weit unterlegen bin. Da muss für die nächste Saison mal eine neue Genua angeschafft werden. Es war sehr frustrierend, dass die Ente schon bei einem zarten Windhauch direkt in Bewegung kam; ihr Vorsegel kam sehr leicht in eine vorteilhafte Form. Meine Genua hing derweil nur schlaff in der Gegend herum.

Die erste Nacht verbrachten wir an einer Marrekrite Boje; beide Boote aneinandergebunden. Das war wirklich ein sehr schönes Erlebnis. Das Gefühl von Unabhängigkeit ist nochmals stärker, wenn man nicht mal eine Verbindung zum Land hat, aber dennoch mit allem versorgt ist.

Am folgenden Tag habe ich beim Leichtwind diverse Segelmanöver geübt. Da es mir nicht möglich war, mit dem bisschen Lufthauch zu kreuzen, wollte ich den Motor bemühen. Der ging aber immer wieder aus. Also hieß es “Anker werfen”. Am Ende stellte sich heraus, dass das Getriebe nicht sauber ausgekuppelt war, so dass der Motor direkt “abgesoffen” ist.

Das Anlegen an der Insel (für die nächste Nacht) haben wir dann unter Segeln durchgeführt. Fast war ich ein bisschen zu schnell. Am nächsten Morgen dann Ablegen unter Segeln. Den Motor haben wir wirklich nur benutzt, wenn es gar nicht mehr anders ging. Zum Beispiel später auf dem IJsselmeer, als mir so heiß war, dass ich für einige Minuten etwas Abkühlung durch den Fahrtwind benötigte.

Nach anfänglicher Anspannung hat mir das Segeln im Kanal wirklich Spaß gemacht. Sonst hatte ich mich das nicht getraut. Das Schleusen war gar kein Problem und es ging „außen herum“ nach Workum. Im Kanal sind wir dann noch einer anderen Variante begegnet, von der mir spontan ein Anlegerbier herübergereicht wurde. Vielen Dank an die Crew der „Deliria“! Am Abend haben wir uns dann mit einer leckeren Pizza bei Peter’s belohnt. Damit fand ein sehr gelungenes Wochenende seinen Abschluss.

Gelingt der Schlag über das IJsselmeer?

Für den August war die Teilnahme am Flottillentörn geplant. Der Treffpunkt lag südlich von Amsterdam. Also musste unser Boot auf dem Wasserweg dorthin kommen. Der Plan war, innerhalb einer Urlaubswoche mit meiner Frau zusammen bis nach Amsterdam (oder weiter, wenn es die Brücken erlauben) zu fahren. Aber was wir zuerst an Wind zu wenig hatten, blies jetzt zu viel. Ich war zunächst sehr enttäuscht von mir und auch ein bisschen verzweifelt. Denn beim Blick auf die Windvorhersage traute ich uns (vor allem mir) nicht zu, den Schlag zu wagen. Aber wie sollte ich das Boot dann nach Amsterdam bekommen?

Ein Telefonat löste das logistische Problem. Und es zeigte sich, dass der Selbstzweifel nicht berechtigt war. Im Gegenteil war meine Einschätzung richtig. Später erzählten mir erfahrene Segler mit größeren Booten, dass sie teilweise umgedreht oder abgebrochen hätten, weil es ihnen zu wild war. Also doch alles richtig gemacht.

Wir haben uns dann rund um das Heeger Meer vergnügt und sind neue Häfen angelaufen. Dabei haben wir auch sehr nette Begegnungen gehabt. So wurde es auch mit geändertem Plan eine sehr schöne Zeit!

Jetzt aber: Die Fahrt bis nach Haarlem

Anfang August ging es auf „große Fahrt“. Zusammen mit einem Freund sollte es an einem Wochenende so weit wie möglich in Richtung des Treffpunktes gehen. Am Freitagabend machten wir uns auf den Weg mit dem Ziel, uns vor Workum hinzulegen, so dass wir morgens früh starten können (die Schleuse wird erst ab 10:00 Uhr bedient). Aber leider war besagte Schleuse defekt. Also haben wir umgedreht und sind schnell durch die Brücken gefahren, durch das Heegermeer und bis De Kuilart – dort wurde es zu dunkel.

Am nächsten Morgen warfen wir um 08:15 die Leinen los, damit wir die erste Brückenöffnung bei Warns erreichen und durch die Schleuse auf’s IJsselmeer fahren konnten. Dort empfingen uns 3-4 Windstärken aus Süd, also genau aus unserer Richtung. Unter Stützsegel und Motor erreichten wir gegen 12:40 Enkhzuizen. Wir müssen ja Strecke machen, so dass wir eher auf Geschwindigkeit als auf den Einsatz der Segel achten mussten. In Enkhuizen haben wurde kurz getankt und die Wanten nachgetrimmt.

Der Wind hatte zwischenzeitlich zugenommen und auf eine westlichere Richtung gedreht. Sie sind wir mit wunderbarem Halbwind und bei aufgelockerter Bewölkung über das Markermeer “geflogen”. Zunächst waren wir noch ohne Reff unterwegs. Da dies doch etwas mühsam war, entschieden wir uns schließlich doch dazu, die Segelfläche zu verkleinern. Dabei lernte ich, wie einfach es ist, dies auf Amwindkurs zu erledigen. Danach war das Boot so schön ausbalanciert, dass es sich fast selbst steuerte.

Auf Höhe von Durgerdam hatten wir kurz überlegt, ob wir hier für die Nacht festmachen - es war doch recht anstrengend auf Dauer. Aber da zu der Zeit diverse Brücken defekt waren, habe ich entschieden, dass wir weiterfahren. Denn wir hatten noch Schellingwouderbrug und die Oranjesluizen vor uns.

Gegen 21:30 waren wir als viertes Boot im Päckchen im Sixhaven fest. Nach einem sättigenden Abendessen (“Expeditionsnahrung” ist gar nicht so schlecht) vielen wir müde in unsere Kojen.

Morgens mussten wir erst gegen 10:00 Uhr los, denn am Sonntag öffnete die Buitenhuizerbrug erst um 12:45 Uhr (bzw. waren wir durch die anschließende Autobahnbrücke beschränkt). Es war sogar etwas ungewiss, ob sie auch wirklich bedient wurde. Denn nur wenige Wochen zuvor war sie nach langer Pause erst wieder in Betrieb gegangen (mittlerweile ist sie erneut defekt).

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Um 15:00 Uhr machten wir die Charlie im Stadthafen von Haarlem direkt an der Mühle fest; weiter konnten wir an diesem Wochenende nicht mehr kommen. Per Zug ging es wieder nach Hause. Danke Stephan, dass du diesen “Gewalttrip” mit mir gemacht hast!

Der Flottillentörn

Eine Woche später traf ich mit meinem Namensvetter und Mitsegler wieder bei der Charlie ein. Weiter ging es in Richtung Süden; in Lisse trafen wir auf weitere Teilnehmer der Flottille. Zwischen uns und den anderen Booten lag eine defekte Brücke. Also sind wir in Lisse geblieben und haben die Gegend erkundet. Einen Ausflug nach Leiden kann ich wirklich empfehlen!

Schließlich hob sich die Brücke doch und so stieß der Rest in Lisse zu uns. Gemeinsam ging es weiter unter anderem zu einem Besuch des Cruquius Museums. Hier kann man eine beeindruckende historische Pumpanlage besichtigen. Absolut lohnenswert!

Schließlich erreichten wir die WSV IJmond; die letzte Marina vor dem Nordzeekanaal. Hier hatte man sich darauf eingestellt, dass man sehr viele Boote unterbringen musste. Bei der letzten Sail (2015, da sie 2020 wegen Corona nicht stattfinden konnte) gab es keine frei Wasserfläche mehr. Und so wurden wir fast eine halbe Stunde lang herumgeschäucht und -kommandiert, mit abenteuerlichen Leinenverbindungen festgemacht, nur um am Ende einfach längsseits zu gehen. Am Abend war noch reichlich Platz im Hafen.

Morgens um 06:30 ging es durch die erste Brückenöffung (Buitenhuizerbrug) auf den Nordzeekanaal in Richtung IJmuiden. Kurz vor der Schleuse haben wir uns in den “1e Rijsbinnenhaven” gelegt und auf den Startschuss gewartet.

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Die Parade der Großsegler war wirklich sehr beeindruckend. Der Anblick hat mich unerwartet emotional berührt: Ich hatte tatsächlich feuchte Augen. Ein besonderes Erlebnis war die sehr dichte Vorbeifahrt der Gorch Fock II; fast zum Greifen nahe. Als sie auf unserer Höhe waren, stürmten plötzlich die Matrosen hoch auf die Rahen, um die Segel zu setzen. Was für ein Schauspiel!

Und es war unglaublich viel los auf dem Wasser. Daher war meine ganze Konzentration gefordert. Je weiter die Zeit voranschritt, um so waghalsiger wurden die Manöver mancher Skipper. Gegen Ende war es nocheinmal richtig haarig, so dass ich um die „strukturelle Integrität“ meines Bootes fürchten musste. Es ist dann aber nochmal alles gut gegangen.

Die folgenden zwei Nächte lagen wir bei der WSV Durgerdam. Es wehte doch recht stark und wir waren von dem lagen Tag und den vielen Eindrücken recht erschöpft.

Bei 4-5 Windstärken – natürlich von vorne – ging es schließlich nach Marken, einem idyllischen Dörfchen. Dieses ist aber touristisch voll vermarktet und über den Fahrdamm werden Busladungen an Besuchern abgeliefert. Sehr lustig war es, dass die Reisegruppen sortiert waren: erste kamen Amerikaner, später Asiaten, zwischendurch Spanier. Und wir mit unseren vielen kleinen Booten in dem netten Hafen dienten als Fotomotiv. Aber sobald es Abend wurde, kehrte Ruhe ein. Leider machte mit Abfahrt der letzten Fähre auch die Fischbude zu, so dass ich nicht mehr zu meinem Kibbeling kam.

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Wir waren nämlich als letztes Boot angekommen. Uns gelang das Aufkreuzen nicht so gut; der bremsende Motor (ich muss unbeding die neue Halterung montieren) tat sein übriges. Zwischendurch mussten wir doch mal auf die Toilette gehen und beigedreht verloren wir die Strecke, die wir uns in 45 Minuten hart erarbeitet hatten. Aber es war dennoch ein beglückendes Erlebnis, sich auch dort durchgekämpft zu haben. Hier habe ich wieder viel Vertrauen in mein Boot (und mich) gewonnen.

Der nächste Tag führte den Rest der Flottille nach Hoorn, da die Boote im Grashaven ausgekrant werden sollten. Da dies für uns nicht anstand, hatten wir einen Tag mehr Zeit. Diesen nutzen wir und fuhren nach Edam. Dort lagen wir sehr gut im Hafen der WSV De Zeevang.

Edam ist an sich ein nettes Örtchen. Aber hier hat man – noch mehr als in Marken – den Eindruck, dass alles darauf ausgelegt ist, die Touristen um ihre Devisen zu erleichtern. Es fühlte sich für mich alles sehr unentspannt an. Dazu noch meine Enttäuschung: Auch hier kam ich nicht zu meinem Kibbeling.

In Hoorn verließ mich schließlich mein Mitsegler. Zusammen mit der „Ducky“ ging es bei sehr milden Bedingungen über das Markermeer bis nach Enkhuizen. Das war mein – sehr entspannter – Einstieg in das Solo-Segeln auf dem „großen Wasser“. Endlich gab es dann am Stadthafen die ersehnte Portion Kibbeling met Friet.

Am nächsten Tag stand der Schlag über das IJsselmeer und die Fahrt bis in den Heimathafen nach Workum an. Ich war doch recht aufgeregt, war der Wind doch mit guten vier Windstärken angesagt. Aber er kam aus günstiger Richtung, so dass ich auf Raumschotskurs bis Höhe Stavoren fahren konnte. Dort drehte der Wind und frischte auf. Immer noch raumschots rauschten wir mit bis zu 6 Knoten die Wellen hinunter.

Die meisten Gedanken machte ich mir darüber, wie ich am Ende die Segel bergen kann. Das war letztendlich aber eigentlich ganz einfach. Ich legte bei, nahm, das Groß weg, fuhr in den Kanal und rollte im Windschatten das Vorsegel ein.

Abends gab es noch Köstlichkeiten vom Grill, die ich mit der Crew der Ducky genossen haben. Was für eine großartige Zeit auf dem Boot!

Viel zu kalt

Anfang Oktober war ich dann nochmal in Friesland. Eigentlich wollte ich mit einer Gruppe von Valken-Seglern ein Wochenende auf dem Wasser verbringen. Es war jedoch kalt und nass; und ich kränkelte. Daher blieb ich meist im warmen Bungalow. Die Rückfahrt nach Workum war sehr feucht und windig, so dass ich froh war, als wir im Hafen festlagen. Auskranen - Boot nach Hause fahren - für den Winter festlegen.

Und jetzt schaue ich auf 2026. Aber das ist ein neues Kapitel.