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Schon seit längerem hatte ich den Wunsch, einmal nach Helgoland zu segeln. Die Yachtschule Eichler bietet die entsprechenden Törns an. Und nun wurde der Wunsch Wirklichkeit.
20. September 2023 – Düsseldorf ➝ Hamburg Finkenwerder
- Abfahrt: 13:34
- Ankunft: 18:31
- Strecke: ca. 400km
Mit der Bahn geht es nach Hamburg. Ich frage mich, warum die Leute freiwillig mit dem Auto fahren. Im Zug bin ich ganz entspannt nach Hamburg gekommen und konnte sogar während der Fahrt arbeiten. So musste ich mir für die Anfahrt nicht freinehmen und hatte somit einen halben Urlaubstag gespart.
Das Boot war schon vollständig mit Proviant ausgestattet und auch die ersten Mitsegler trafen bald ein. So hatten wir Gelegenheit, uns bei einem netten Abendessen kennenzulernen. Die erste Nacht an Bord war unerwartet erholsam, denn die Kojen haben ausreichend Platz für zwei Personen.
21. September 2023 – Finkenwerder ➝ Glückstadt ➝ Cuxhaven
- Abfahrt: 09:34
- Ankunft Glückstadt: 13:26
- Abfahrt Glückstadt: 19:21
- Ankunft Cuxhaven: 23:28
- HW Hamburg: 08:51
- HW Glückstadt: 19:42
- NW Cuxhaven: 00:10
- Strecke: 56sm
Morgens ging es dann los mit einem leckeren Frühstück. Überhaupt muss ich sagen, dass die Verpflegung an Bord sehr gut war. Ich hatte zunächst Bedenken, ob eventuell beim Einkauf gespart wird. Aber ganz im Gegenteil: Im Kühlschrank lagen die selben Produkte, wie auch zu Hause. Und vieles war auch in Bio-Qualität vorhanden. Zusätzlich gab es zwei vorgekochte Mahlzeiten.
Nach der obligatorischen Sicherheitseinweisung legten wir ab. Sobald möglich, wurden die Segel gesetzt und der
Motor ausgeschaltet. Wir sind schließlich ein Segelboot. Es ist schon sehr beeindruckend, auf der Elbe zu segeln und
dort Schiffen von mehreren hundert Metern Länge zu begegnen.
Spannend ist es auch, dem Funkverkehr zuzuhören. Hier wird deutlich, dass sich die Realität doch sehr von dem
unterscheidet, was man für die Prüfung vermittelt bekommt. Natürlich wird eine gewisse Disziplin eingehalten, aber es
geht auch freundlich zu und ein abschließendes “Gute Wache noch” gehört immer dazu.
Vor Glückstadt ankern wir an der Rhinplate in der Nähe der Hafeneinfahrt. Und das war ein Glück. Denn leider hatten wir einen medizinischen Notfall, der eine Alarmierung des Rettungsdienstes erforderte. Und so waren wir innerhalb von fünf Minuten im Hafen an der Kaimauer und konnten den Patienten an die Sanitäter übergeben. Am Ende ist alles glimpflich ausgegangen.
Im Hafen warten wir dann wieder auf den passenden Strom, der uns bis nach Cuxhaven bringen wird. Durch die Nacht geht es dann bei ordentlich Wind und kräftigem Regen von Tonne zu Tonne. Das war schon eine recht abenteuerliche Fahrt, denn die Großschifffahrt ist auch immer noch unterwegs. Zwischenzeitlich queren wir das Fahrwasser, um unseren Kurs zu optimieren, da wir immer noch unter Segeln sind. Im Amerikahafen machen wir schließlich bei der Liegegemeinschaft fest und fallen in die Kojen.
22. September 2023 – Cuxhafen ➝ Helgoland
- Abfahrt: 08:38
- Ankunft: 12:12
- HW Cuxhaven: 05:49
- Strecke: 37sm
Erstmal gut frühstücken. Da es heute auf Amwindkurs bei 5-6 Bft. nach Helgoland gehen wird, tauschen wir die Genua gegen die Arbeitsfock aus. Das hat sich sehr bewährt, denn die volle Fock hat eine bessere Performance als eine gereffte Genua. Ich fand diesen Ansatz interessant, da man meist ja nur eine Genua mit Rollreff-Anlage vorfindet. Auf meiner Varianta fahre ich Stag-Segel und ziehe dann die jeweils passende Größe auf.
Auf dem ersten Teil der Strecke ist die See noch vergleichsweise ruhig. Aber sobald wir aus der Abdeckung von Scharhörn
herauskommen, nimmt die Wellenhöhe zu. Kurz vor Helgoland wird es dann noch etwas wilder. Das Vordeck wird teilweise
überspült.
Für mich sollte dieser Törn auch ein kleiner Test dafür sein, was ich so aushalten kann. Wird mir schlecht? Habe ich
eventuell Angst? Aber zum Glück traf keines von beidem zu. Im Gegenteil hatte ich meist ein breites Grinsen auf dem
Gesicht, denn die „Hamburg Express“ lief wirklich sehr gut.
Auf der Insel angekommen folgte dann bei mir die Ernüchterung: Schön ist es hier nicht wirklich. Die Kaffee-Rösterei und die Creag Dearg Distillery würde ich schon fast als die Highlights betrachten – natürlich abgesehen von den berühmten Klippen. Ansonsten scheint es im Wesentlichen darum zu gehen, die per Fähre herangebrachten Touristen in die diversen Duty-free-Shops zu bekommen; denn auf Helgoland gibt es Schnaps etc. steuerfrei zu kaufen. Meine romantische Vorstellung, hier einen leckeren Tee für mein Frühstück als Erinnerung mitbringen zu können, wurden leider enttäuscht. Daher gab es dann als Ersatz Kaffee und Whiskey – auch nicht schlecht.
Abends wurde wieder sehr lecker gekocht und in gemütlicher Runde gegessen.
23. September 2023 – Helgoland ➝ Stadersand
- ca. 3,5h vor HW Helgoland in Elbmündung
- => Ankunft in Elbmündung ca. 14:20
- Strecke: 30sm
- Fahrzeit: ca. 5 Stunden
- Wind: SW4
- Abfahrt: 09:56
- Ankunft: 20:18
- NW Helgoland: 05:15
- HW Helgoland: 17:50
- NW Cuxhaven: 13:08
- Strecke: 74sm
Da es heute eher mit achterlichem Wind nach Cuxhaven zurückgehen wird, wechseln wir von Fock auf Genua. Mit teilweise ausgebaumtem Vorsegel ziehen wir durch das Wasser. Aus der Kajüte zieht der Duft von frischem Kuche nach oben, den heute wird gebacken: Apfel- und Pflaumenstreusel.
Als wir in die Elbmündung kommen nehmen die Wellen ab; der Wind aber bleibt. Zusätzlich reißen die Wolken auf und wir rauschen mit (wenn ich mich richtig erinnere) sieben Knoten über die Elbe; wieder vorbei an riesigen Containerschiffen. „Auf der hohen Kante“ genießen wir frischen Kuchen mit Sahne und Kaffee. Als die Sonne untergeht, kommt uns die Aida entgegen. Ich halte ja nichts von den Kreuzfahrtschiffen, aber beeindruckend war es dennoch. Wir biegen in die Schwinge ab und legen uns beim Segler-Verein Stade an den Steg.
Was soll ich sagen: Es gibt wieder ein köstliches Abendessen. Nach einer heißen Dusche dann ab in die Koje; am nächsten Morgen geht es früh los.
24. September 2023 – Stadersand ➝ Hamburg Finkenwerder
- Abfahrt: 06:30
- Ankunft: 10:25
- HW Hamburg: 11:02
- Strecke: 16sm
Als ich aus dem Niedergang an Deck komme, bietet sich mir ein traumhafter Anblick. Auf der Schwinge, die von Bäumen gesäumt ist, liegt ein Nebelschleier. Die Sonne geht bald auf und erhellt schon leicht den Himmel. Die ersten Vögel sind bereits erwacht.
Wir fahren los und biegen auf die Elbe ab bergauf. Nach einiger Zeit verdichtet sich der Nebel und wir fahren unter Radar. Per Funk geben wir dem Radarposten Bescheid, dass wir keine Hilfe benötigen, aber auf Hörwache sind. Um der Großschifffahrt aus dem Weg zu gehen, fahren wir hinter dem Lühesand entlang. Wir müssen kreuzen. Aus dem Nebel taucht vor uns ein kleines Anglerboot auf: Die nächste Wende muss etwas früher erfolgen. Die Sonne steigt höher und bricht durch den Nebel. Eine fast mystische Stimmung umgibt uns.
Der Nebel löst sich schließlich auf und planmäßig erreichen wir den Anleger in Finkenwerder. Wir sind uns darüber einig, dass wir zusammen einen wirklich fantastischen Törn erlebt haben, der alle unsere Erwartungen erfüllt hat.
Ich fahre mit der Fähre zu den Landungsbrücken. Dort gibt es – auf einem Poller am Kai sitzend – ein leckeres Fischbrötchen. Die Bahn bringt mich zurück nach Hause – bereichert um weitere schöne Erinnerungen.